Planungsdokumente: Bebauungsplan Nr. 54 der Gemeinde Trittau

Begründung

von 29 Kapiteln

1. Planungsgrundlagen

1.1. Planungsanlass und Planungsziele

Die Wilke Fahrzeugbau GmbH fertigt seit 1971 am Standort Trittau in der Otto-Hahn-Straße Kühlaufbauten für Nutzfahrzeuge. Mit gegenwärtig knapp 100 Mitarbeitern werden hier Kühlfahrzeuge für den gesamtdeutschen Markt und das angrenzende europäische Ausland gefertigt. Zur Festigung der Position am Markt sowie zur Sicherung der Qualitäts- und Arbeitsplatzansprüche ist eine fortschreitende Optimierung der Betriebsanlagen erforderlich. Dazu werden auf dem Betriebsgelände weitere Produktionsflächen benötigt. Inzwischen ist eine neue Betriebshalle auf dem Flurstück 9/65 auf der bisher als Stellplatz für fertiggestellte Fahrzeuge genutzten Fläche errichtet worden. Seitdem können die Fahrzeuge nicht mehr auf dem Firmengelände in der Otto-Hahn-Straße abgestellt werden. Die Fahrzeuge werden nunmehr auf drei verschiedenen Stellflächen zwischengeparkt. Diese Situation ist sehr ungünstig. Die Fahrzeugbewegungen sind mit Kosten- und Personalaufwand verbunden. Auch das unbeaufsichtigte Abstellen der fertigen Fahrzeuge bedeutet ein Diebstahl- und Vandalismusrisiko. Hier ist aus betrieblichen Gründen dringend eine Fläche zum Abstellen der Fahrzeuge am Betriebsstandort erforderlich. Auf dem Firmengelände wurden im vergangenen Jahr zeitgleich bis zu 90 Fahrzeuge aus der Produktion abgestellt. Perspektivisch wird in den kommenden Jahren eine Erhöhung der Kapazität auf bis zu 120 Fahrzeuge erforderlich.

Für das Gewerbegebiet nördlich und südlich der Otto-Hahn-Straße gelten die Bebauungspläne Nr. 11, Neuaufstellung und Nr. 11, 4. Änderung der Gemeinde Trittau. Da das Betriebsgelände jedoch funktional bereits ausgelastet ist, soll die Fahrzeug-Aufstellfläche ausgelagert werden. Vorgesehen hierfür sind primär nördlich an das Betriebsgelände angrenzende Flächen, die sich als Wegefläche der Gemeinde und als Wald darstellen. Dabei sind insbesondere die naturschutzfachlichen Aspekte zu berücksichtigen. Die Gemeinde unterstützt das Vorhaben der Wilke Fahrzeugbau GmbH um die Weiterentwicklung dieses bereits 1905 in Trittau gegründeten Unternehmens zu fördern und die am Standort bestehenden Arbeitsplätze zu sichern.

Aufgrund der beabsichtigten Inanspruchnahme von Waldflächen und Eingriffen in das Landschaftsschutzgebiet ‚Trittau‘ sind ausführliche Voruntersuchungen und Abstimmungen mit den Forst- und Naturschutzbehörden im Hinblick einer grundsätzlichen Realisierbarkeit des Vorhabens sowie unter Berücksichtigung der naturschutzfachlichen und artenschutzrechtlichen Betroffenheiten vorgenommen worden. Eine grundsätzliche Inanspruchnahme der benötigten Flächen erscheint danach vertretbar.

Die Gemeinde wählt in diesem Fall das Instrument eines Vorhabenbezogenen Bebauungsplanes. Die Planung dient der Zulässigkeit eines konkreten Vorhabens und soll nur dieser spezifischen Betriebsflächenerweiterung dienen. Sollte diese Fläche betrieblich nicht mehr benötigt oder die Nutzung aufgegeben werden, soll die Fläche wird als Wald aufgeforstet und der Bebauungsplan aufgegeben werden.

1.2. Übergeordnete Planungsvorgaben

Der Landesentwicklungsplan (2010) stellt Trittau als Unterzentrum im Hamburger Ordnungsraum dar. Trittau liegt zusätzlich gemäß der Darstellung in einem Entwicklungsraum für Tourismus und Erholung und in einen Vorbehaltsraum für Natur und Landschaft. In den Ordnungsräumen sollen die Standortvoraussetzungen für eine dynamische Wirtschafts- und Arbeitsplatzentwicklung weiter verbessert werden. Hierzu sollen u.a. Flächen für Gewerbe- und Industriebetriebe in ausreichendem Umfang vorgehalten werden. Die unterschiedlichen Flächennutzungsansprüche sind besonders sorgfältig aufeinander abzustimmen. Als ordnende Strukturelemente dienen Siedlungsachsen, Zentrale Orte sowie regionale Grünzüge und Grünzäsuren. Als Unterzentrum kann die Gemeinde generell gewerbliche Nutzungen ansiedeln, die über den örtlichen Bedarf hinausgehen.

Die Gemeinde Trittau ist im Regionalplan für den Planungsraum I (1998) als Unterzentrum eingestuft. Trittau liegt im Ordnungsraum um Hamburg. Die Ortslage mit westlich liegenden Erweiterungsflächen ist als Siedlungsgebiet zentraler Orte außerhalb der Achsen im Hamburg-Nachbarraum anzusehen. Trittau nimmt zentrale Versorgungsfunktionen für die umliegenden Gemeinden wahr und verfügt über einen ländlichen Verflechtungsbereich mit ca. 23.000 Einwohnern. Trittau ist in der Funktion als Unterzentrum weiter zu entwickeln. Eine bauliche und gewerbliche Entwicklung soll sich in Richtung Westen orientieren, hierfür sind genügend Bauflächen und Gewerbeflächen zur Verfügung zu stellen. Dadurch soll dem Siedlungsdruck in den Nahbereichsgemeinden entgegengewirkt werden. Trittau ist nach kartographischer Darstellung eng von Regionalen Grünzügen und von einem Schwerpunktbereich für die Erholung umgrenzt. Zur Sicherung der Freiraumfunktionen sollen Belastungen der regionalen Grünzüge vermieden werden. Es sind nur Vorhaben zulässig, die mit den Freiraumfunktionen vereinbar sind oder im überwiegenden öffentlichen Interesse stehen. Im Osten Trittaus liegt das Naturschutzgebiet Hahnheide. Überregionale Biotopverbundflächen liegen nördlich der Ortschaft (Großensee-Mönchsteich-Stenzerteich) und im Süden entlang der Bille.

Das Landschaftsprogramm Schleswig-Holstein (1999) stellt Trittau als in einem Raum für überwiegend naturverträgliche Nutzung liegend dar. In diesen Räumen sollen Natur und Ressourcen durch Nutzungsart und -intensität geschützt werden. Ein verträgliches Miteinander von Nutzungs- und Naturschutzaspekten soll erreicht werden. Das gesamte Gemeindegebiet und weite, angrenzende Flächen sind als Gebiet mit besonderer Bedeutung für die Bewahrung der Landschaft, ihrer Vielfalt, Eigenart und Schönheit sowie als Erholungsraum hervorgehoben. In der thematischen Karte Arten und Biotope ist neben dem Naturschutzgebiet Hahnheide großflächig die Zugehörigkeit Trittaus und seiner Umgebung zu einem Schwerpunktraum des Schutzgebiets- und Biotopverbundsystems dargestellt. Weitere Konkretisierungen sind auf dieser Ebene nicht vorgenommen.

Nach dem Landschaftsrahmenplan für den Planungsraum I (1998) ist die Ortschaft Trittau eng von einem Raum mit besonderer Erholungseignung umgeben. Im Westen der Ortslage und nördlich angrenzend an das Gewerbegebiet der Otto-Hahn-Straße befindet sich ein Landschaftsschutzgebiet. Der nördlich Trittaus gelegene Staatsforst Karnap mit den angrenzenden Gewässern Stenzerteich, Mönchsteich und dem Großensee ist Gebiet mit besonderer ökologischer Funktion und in Teilen Gebiet mit besonderer Eignung zum Aufbau eines Schutzgebiets- und Biotopverbundsystems (Schwerpunktbereich, Haupt- und Nebenverbundachsen).

Der Landschaftsplan (2000) zeigt im Bestand ein Gewerbegebiet für die bestehenden, gewerblich genutzten Gebäude, bzw. für den Bereich des TÜV-Nord (Flurstück 9/65) Grünland. Im Norden wird die Zuwegung zum angrenzenden Wald, der Teil eines Landschaftsschutzgebiets ist, von einem Knick zu den Gewerbebauten abgeschirmt. Auf den bewaldeten Grundstücken ist Kiefern- und Fichtenforst kartiert. Entwicklungsziele werden lediglich für den als Grünland ausgewiesen Teilbereich genannt. Hier soll das Grundstück des TÜV-Nord zukünftig als „Gewerbefläche“ dargestellt werden. Diesem Ziel ist mit der 1. Teilfortschreibung des Landschaftsplans (2007) bereits entsprochen worden. Im Deckblatt A werden hierin die gewerblich genutzten Grundstücke an der Otto-Hahn-Straße sowie Teilflächen des nördlich verlaufenden Waldwegs als Gewerbegebiet dargestellt. Weiter nördlich grenzt ein Laubwald an, der Bestandteil des Trittauer Landschaftsschutzgebietes ist. Der Bereich des Grundstücks Otto-Hahn-Straße 8 (bestehende LKW-Aufstellfläche sowie Betriebsgelände des TÜV-Nord) ist als Standort einer Altablagerung gekennzeichnet. Entwicklungsziele werden für die Untersuchungsbereiche der vorliegenden Studie nicht formuliert.

Der Flächennutzungsplan der Gemeinde Trittau stellt für das Gewerbegebiet Otto-Hahn-Straße sowie den nördlich verlaufenden und von der Lütjenseer Straße ausgehenden Weg durchgehend gewerbliche Bauflächen dar. Die hieran im Norden angrenzenden Waldgebiete sind als Fläche für die Forstwirtschaft dargestellt. Das Landschaftsschutzgebiet wird nachrichtlich übernommen. Konkrete Regelungen zum bestehenden Betriebsstandort werden im Bebauungsplan Nr. 11, Neuaufstellung getroffen und setzen für den betroffenen Bereich neben einem eingeschränkten Gewerbegebiet für die entlang des südlichen Waldrandes verlaufende Straße Verkehrsfläche mit besonderer Zweckbestimmung – Fußweg sowie einen Waldschutzstreifen auf einer privaten Grünfläche von 20 m zum Waldrand fest.

von 29 Kapiteln