94. Änd. des Flächennutzungsplanes "Bahnhofstraße an der Hauptpost" und den Bebauungsplan "Hauptpost" (Nr. 303)

Flensburg
Öffentliche Auslegung
Noch 32 Tage
Stadt Flensburg
Zur Belebung des Bahnhofumfeldes soll auf dem Gelände der Hauptpost an der Bahnhofstraße die gewerbliche Nutzung ausgebaut und südlich anschließend ein Hotel sowie ein Parkhaus errichtet werden.
Ansprechpartner für Bürger
Herr Martin Löwe
Tel. 0461 - 85 41 83
Stadtplanung@flensburg.de

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Zeige 6 Einträge

Stellungnahme #1010

Verfasser: Bürger
Eingereicht am:

Betrifft: Einwände gegen die Neufassung des B-Plans 303

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit erhebe ich Einspruch gegen die geplante Neufassung des B-Planes 303 im Zusammenhang mit dem Bauvorhaben eines Hotels und Parkhauses und der Umwidmung und Zerstörung eines innerstädtischen Waldhabitats, welches gerade in der Zeit des Klimawandels als Klimapuffer von eminenter Wichtigkeit ist.

Meine Einwände:

Stabilität des Hanges: Meine besondere Sorge gilt der Stabilität des Hanges. Die Hänge in Flensburg sind nicht stabil, wie Fälle aus der Vergangenheit überdeutlich gezeigt haben.

Einige Beispiele: [Hinweis Stadt Flensburg: die angeführten Beispiele sind anonymisiert wiedergegeben; die Überarbeitung ist durch Kursivschrift in [] kenntlich]

  1. [Bei einem Bauvorhaben in der Heinrichstraße kam es zu einem Erdrutsch auf einem benachbarten Hanggrundstück. Dass die Ursache in dem Bauvorhaben lag, ist gerichtlich festgestellt worden.] 

[Die betroffene Einrichtung] wurde zwischenzeitlich verlegt.

  1. [Ein Eigentümer auf Duburg], machte mich darauf aufmerksam, dass es seinerzeit zu Rissbildungen in seinem Hause gekommen war, als die Baugrube [in der Norderstraße] entwässert wurde. Die Schäden wurden seinerzeit anstandslos beseitigt; die Probleme verschwanden, nachdem die Baugrube wieder geschlossen war.

  1. Bericht shz vom 14.Nov. 2015: „Flensburger Förde: Fahrensodde: Hangrutsch gefährdet Strandfrieden.

  1. Bericht „shz“ Zitat:

In 2007 und 2008 gab es größere Regenfälle im Sommer in FL, wobei "Christine" im Aug. 2008 den Hafen überschwemmt. Jahre später gab es noch ein "Schlammbad" in der Marienstr. (Nachforschungen laufen). Daher verwundert es, dass die Friesische Straße bzw. deren Kanalisation am 31.07.19 von Wassermassen überrascht wurde; "Jahrhundert-Ereignis" ist das vielleicht für diejenigen, deren Erinnerung wenig weiter als 10 Jahre zurückreicht.

Die Friesische Straße - wahrscheinlich mit Gutachterhilfe gebaut - mahnt, dass die Hänge i.V.m. Naturgewalt böse Überraschungen bereithalten. Aber: Gerne wird so getan, als sei man total überrascht worden, und gerne wird (bei Vorhaben) versichert, es sei alles "begutachtet".

  1. Hangrutsch Ostseebad, nachdem die Bäume gefällt wurden.

  1. Sehr akut zum Hang Schleswiger Straße: Jahre, nachdem das Postgebäude gebaut wurde, begann sich der Fußweg in der Schleswiger Straße, in Höhe Martinsberg zu senken. Der Schaden wurde vor Monaten behoben, das Absenken ist noch heute sichtbar, die Geländer stehen stark nach Osten geneigt. (dokumentiert u.a. durch Herrn Marc Paysen „Flensburg wählen“).

Obwohl mehrfach versichert, dass es ein Hanggutachten gäbe, wurde mir dieses bis heute vorenthalten. Bekommen hatte ich lediglich:

  1. Geotechnischer Bericht vom 4.5.2018
  2. Geotechnischer Bericht vom 6.6.2018 „Untersuchungsbericht zu den Baugrundverhältnissen“

die sich praktisch nur mit dem Trockenhalten der Baugrube beschäftigen.

Das Fehlen eines Hanggutachtens ist unentschuldbar, zumal im Unterschied zu den o.g. Fällen noch die Erschütterungen durch den teilweise erheblichen Straßenverkehr oberhalb in der Schleswiger Straße hinzukommen. Bedacht werden sollte zudem, dass der Klimawandel, extreme Trockenheiten und Starkregen die Stabilität der Hänge weiter schwächen werden.

Denkmalschutz: Obwohl mir am 5.11.2018 vom Landesamt für Denkmalpflege mitgeteilt wurde, dass mein Haus, Schleswiger Str. 34 ein geschütztes Kulturdenkmal sei, nachrichtlich Frau OB*in Lange „Untere Denkmalschutzbehörde“, nimmt man billigend in Kauf, dass mein Haus (geschütztes Kulturdenkmal) durch die angekündigten Baumaßnahmen geschädigt werden könnte. [...] machte bereits mit Schreiben vom 19.Juli 2018, gestützt durch ein Gutachten der [Tiefbaufirma], auf die Lage meines Hauses aufmerksam; Zitat [...]: Die gesamte Hangsituation ist bekanntlich durch starken Wasserfluss geprägt. Unser Mitglied musste im Jahr 2008 schwierige und umfangreiche Drainage- Entwässerungsarbeiten ausführen lassen, die der ungünstigen Hanglage seines Gebäudes an der Schleswiger Straße 34/36 in Flensburg geschuldet sind.“

Auf diesem Wege kündige ich an, dass ich die Stadt Flensburg in die Verantwortung nehmen und für etwaige Schäden haftbar machen werde.

Frischluftschneise:

Nicht bedacht wurde bei den Planungen u.a., dass die massiven Baukörper die Frischluftschneise abriegeln würden, was enorme Folgen u.a. gerade auch für die Brauerei haben würde, deren Kläranlagen schon jetzt bei entsprechender Witterung unerträgliche Gerüche abgeben, die zur Zeit größtenteils weggeblasen (Frischluftschneise) werden. Peter Wohlleben äußert sich in seinem überaus bekanntem Buch „Das geheime Leben der Bäume“ wie folgt, Zitat : „Waldluft ist der Inbegriff von Gesundheit, Blätter und Nadeln stehen im ständigen Luftstrom (wenn dieser nicht unterbrochen wird) und fischen große und kleine Schwebepartikel heraus. „“ Im Vergleich zu Wiesen ist die Filterkraft etwa hundertmal größer, was sich schon alleine durch den Größenunterschied zwischen Gras und Bäumen erklärt.“ Unterschätzt wird die Wirkung auf das Wohlbefinden und die Gesundheit der Menschen; Beispiel Frau Bundesministerin Julia Klöckner: https://www.youtube.com/watch?v=4aMbDT-aIPw

Ein weiteres Zitat des bekannten Försters Peter Wohlleben, Zitat : “ Die Wissenschaftler untersuchten weltweit 700 000 Bäume auf allen Kontinenten. Das überraschende Ergebnis: Je älter die Bäume werden, desto schneller wachsen sie. So erzeugen Bäume mit einem Meter Stammdurchmesser dreimal so viel Biomasse, wie Exemplare, die nur halb so dick waren.“ Baumgreise sind demnach deutlich produktiver als Jungspunde und im Zusammenhang mit dem Klimawandel wichtige Verbündete der Menschen.“

Diese Aussage scheint mir wichtig vor dem Hintergrund der Vorstellung, man könne das Abholzen alter Bäume mit Ersatzpflanzungen ausgleichen. Werden wie vorgesehen 60 Bäume gefällt, würde sich das Innenstadtklima erheblich verschlechtern.

So viel zu den sog. Ausgleichspflanzungen am Stadtrand. Die Begründung S. 52) “ Die Planungen hätten keine erheblichen negativen Wirkungen auf das Schutzgut Luft; diese Aussage ist grundliegend falsch, eine Irreführung der Bürger !

Natur- Artenschutzschutz: Der auch für die Stadt Flensburg verbindliche „EU-Leitfaden zum strengen Schutzsystem für Tierarten von gemeinschaftlichem Interesse im Rahmen der FFH-Richtlinie 92/43/EWG, deren Beachtung ich einfordere, besagt u.a.:

„Leitfaden zum strengen Schutzsystem für Tierarten von gemeinschaftlichem Interesse im Rahmen der FFH-Richtlinie 92/43/EWG

II.3.2. Absichtliche Störung der in Anhang IV Buchstabe a) genannten Tierarten, insbesondere während der Fortpflanzungs-, Aufzucht-, Überwinterungs- und Wanderungszeiten (35) Gemäß Artikel 12 Absatz 1 Buchstabe b) ist die absichtliche Störung der in Anhang IV Buchstabe a) genannten Tierarten verboten, insbesondere während der Fortpflanzungs-, Aufzucht-, Überwinterungs- und Wanderungszeiten, in denen die Tiere potenziell besonders bedroht sind 67. Darüber hinaus gilt dieses Verbot gemäß Artikel 12 Absatz 3 für alle Lebensstadien der betreffenden Tiere. II.3.2.a) Störung (36) Weder in Artikel 12 noch in Artikel 1 der Richtlinie 92/43/EWG wird der Begriff „Störung“ näher erläutert. Der Leitfaden zu Artikel 668 enthält einige nützliche Informationen zu diesem Begriff in Bezug auf Habitate. Wendet man den Leitfaden der Kommissionsdienststellen auf Artikel 12 an, so lässt sich Folgendes feststellen: (37) Auch wenn Störungen (z. B. Lärm, Lichtquelle) nicht unbedingt die körperliche Unversehrtheit von einzelnen Tieren direkt beeinträchtigen, so können sie sich doch indirekt nachteilig auf die Art auswirken (z. B. weil die Tiere sehr viel Energie aufwenden müssen, um zu fliehen. Wenn Fledermäuse z. B. im Winterschlaf gestört werden, heizen sie ihre Körpertemperatur hoch und fliegen davon, so dass sie aufgrund des hohen Energieverlustes weniger Chancen haben, den Winter zu überleben). Somit sind die Intensität, Dauer und Frequenz der Störungswiederholung entscheidende Parameter für die Beurteilung der Auswirkungen von Störungen auf eine Art. Verschiedene Arten sind unterschiedlich empfindlich oder reagieren unterschiedlich auf dieselbe Art von Störung, was bei jedem wirkungsvollen Schutzsystem zu berücksichtigen ist. Faktoren, die sich auf eine Art störend auswirken, verursachen für eine andere möglicherweise keine Störung. Auch kann die Empfindlichkeit einer Art saisonal oder in bestimmten Phasen ihres Lebenszyklus (z. B. während der Fortpflanzungszeit) schwanken. In Artikel 12 Absatz 1 Buchstabe b) wird dieser Möglichkeit Rechnung getragen und hervorgehoben, dass Störungen insbesondere während der störungsempfindlichen Phasen der Fortpflanzungs-, Aufzucht-, Überwinterungs- und Wanderungszeiten zu verbieten sind. Ein artspezifischer Ansatz ist auch hier erforderlich, um den Begriff „Störung“ im Einzelnen zu definieren.

(48) Im Strafrecht wird zwischen vorsätzlichen/absichtlichen und unabsichtlichen Handlungen unterschieden. Mit dem Begriff „absichtlich“ werden auch Situationen abgedeckt, in denen eine Person die Folgen ihrer Handlung nicht direkt gewollt hat, aber den potenziellen Folgen ihrer Handlung hätte Rechnung tragen müssen. Dies zeigt deutlich, dass durch das Auslassen des Wortes „absichtlich“ unter Buchstabe d) unabsichtliche Handlungen, die Beschädigung oder Zerstörungen verursachen, in die Bestimmung ebenfalls einbezogen werden sollten. Hierdurch erhält diese Bestimmung eine besondere Bedeutung: Jede Form der Beschädigung oder Vernichtung von Fortpflanzungs- oder Ruhestätten ist effektiv zu verbieten, d. h. zu vermeiden.

(54) Aus Artikel 12 Absatz 1 Buchstabe d) ergibt sich somit, dass die betreffenden Fortpflanzungs- und Ruhestätten auch dann zu schützen sind, wenn sie nicht ständig besetzt sind, aber die betreffenden Arten mit einigermaßen großer Wahrscheinlichkeit an diese Stätten zurückkehren werden.“

Unabhängig vom EU-Leitfaden würde die Durchsetzung der Planungen auch nach deutschem Recht, einen Rechtsbruch bedeuten; ich verweise u.a. auf §44 BNatSchG sowie das Bonner Übereinkommen zur Erhaltung der wandernden Tierarten von 1979.

In dem Wäldchen und den südlich angrenzenden Grüngebieten leben laut Gutachten 4 streng geschützte Fledermausarten, 2 davon (die Rauhhautfledermaus und die Breitflügelfledermaus) gehören zu den in Schleswig-Holstein gefährdeten Arten. Sie haben hier ihre Wochenstuben. Das ganze Gebiet stellt ein schützenswertes Habitat dar und ist zentraler Teil eines Biotop-Verbundes, der ohne diesen Teil zerbrechen würde.

Im §44 BNatSchG lautet in Abs. 1 heißt es weiter: „ Es ist verboten, ... - (2)wild lebende Tiere der streng geschützten Arten und der europäischen Vogelarten während der Fortpflanzungs-, Aufzucht-, Mauser-, Überwinterungs- und Wanderungszeiten erheblich zu stören; eine erhebliche Störung liegt vor, wenn sich durch die Störung der Erhaltungszustand der lokalen Population einer Art verschlechtert“. Das wird aber mit den geplanten Baumaßnahmen eintreten!

Im Gutachten zum Artenschutz wird zudem darauf hingewiesen, dass Lichtemissionen in dieses Habitat unbedingt vermieden werden müssen, weil sonst ein „Verbotstatbestand“ (nach obigem §) eintritt. Die Pläne nehmen darauf aber nur völlig unzureichend Rücksicht. Sie ignorieren völlig, dass aus den Fenstern des Hotels in 5 Stockwerken auf 87 Meter breiter Front Lichtfluten in das Habitat in Kronenhöhe einwirken werden. Die Maßnahmen zur Vermeidung von Lichtemissionen beziehen sich lediglich auf die Außenbeleuchtung am Stellplatz, nicht auf die Fenster. Selbst wenn das Thema noch in einen städtebaulichen Vertrag mit den Investoren eingefügt werden sollte (was bisher nach den vorgelegten Unterlagen nicht der Fall ist), so wäre das ein völlig unzureichender Schutz: Man kann einer gesetzlichen Schutzgarantie nicht durch einen privaten Vertrag genügen, der beim ersten Verkauf des Hotels möglicherweise ungültig wird. Vor allem aber ist es der Öffentlichkeit so nicht möglich, VOR der Schaffung vollendeter Tatsachen zu prüfen, ob die vorgesehenen Schutzmaßnahmen tatsächlich geeignet sind, die Lichtemissionen hinreichend zu blockieren. Natürlich wird der Betreiber eines Hotels darauf achten, dass die Hotelgäste gut aus den Fenstern ins Freie blicken können.

Im Endeffekt wird es durch die Errichtung des Hotels also so starke Lichtemissionen in das – ohnehin stark verkleinerte - Fledermaus-Habitat geben, dass diese Dunkelheit-liebenden Tiere vertrieben werden – ein eklatanter Verstoß gegen §44 BNatSchG.

Weiteres zum Artenschutz: Das Wäldchen mit seinen 140 Jahre alten Bäumen stellt ein biologisches Kleinod dar und ein Refugium der Artenvielfalt. Gerade weil es „verwildert“ ist und seit Jahrzehnten kaum betreten, konnte sich hier eine Vielfalt von Lebensformen und eine Lebensgemeinschaft entwickeln, die sonst in einer Stadt sehr selten sind. Und gerade weil in dem Wäldchen Bäume mit Beschädigungen, toten Ästen und Höhlen sind, bietet sich hier eine Vielfalt von Mikrohabitaten. Auch wenn das Wäldchen teilweise erhalten werden soll, so wird es doch erheblich verkleinert, was die Regenerationsfähigkeit des Biotops erheblich stört. Der Teil, der umgewandelt werden soll, soll dafür den Waldcharakter verlieren, der Kronenschluss wird geöffnet werden, die ökologisch so wertvollen beschädigten Bäume sollen entnommen und das Totholz entfernt werden, ebenso wie das Unterholz. Die nachwachsenden Bäumchen werden auf Dauer gehindert - entfernt. Das alles wird dazu führen, dass das ganze Gebiet enorm an Artenvielfalt verliert, und dass sich ein völlig anderes Biotop entwickelt: Schattenliebende Pflanzen und Tiere werden verschwinden, lichtliebende (die auch anderswo häufig sind) werden bessere Bedingungen bekommen. Die wertvollen Mikrohabitate des Totholzes verschwinden. Das alles steht in krassem Gegensatz zu den Auskünften, die die Verwaltung den zweifelnden Ratsmitgliedern gegeben hat, dass nämlich sich praktisch nichts an dem Wald ändern würde außer dem Namen. Dadurch beruht der Auslegungsbeschluss des Rates auf falschen Voraussetzungen !

Die Einschätzung der Unteren Forstbehörde gibt mir recht: Die Begründung zitiert sie unter 7.2.5.1 „Die Waldfläche wird von der Unteren Forstbehörde als artenreich und von hoher Wertigkeit eingestuft.“ und weiter unten unter 7.2.5.2 „Die Waldumwandlung und Schaffung des Waldabstandes hat eine deutliche Abwertung des Waldes zur Folge.“

Ein alter Baum bietet Tieren und anderen Lebewesen eine ganze Reihe von so genannten Habitatstrukturen und Nahrungsquellen. Deshalb wird er auch als Habitatbaum bezeichnet. Bäume werden aber in unseren Wäldern nur selten alt. Bevor sie in das Alter kommen, in dem sie Altholz und Höhlen aufweisen, schlägt man die meisten aus wirtschaftlichen Gründen ein. Die wenigen Exemplare, die als Biotopbäume stehen bleiben, reichen in den sogenannten Wirtschaftswäldern auf Dauer nicht aus, um die Artenvielfalt zu sichern; daher ist es zwingend notwendig, dass die Städte sehr pflegsam mit den Nischen für die Artenvielfalt umgehen, die sich in ihnen erhalten haben. Da passt die Zerstörung dieses Habitatwäldchens überhaupt nicht in die Zeit !

Die vorgesehenen Waldausgleichs-Maßnahmen können den Verlust an Artenvielfalt nicht kompensieren: Bis sich in einem neu zu pflanzenden Wald eine nur annähernd vergleichbare Artenvielfalt entwickelt hat, gehen viele Jahrzehnte ins Land, selbst unter der günstigsten Voraussetzung, dass dieser neue Wald nicht bewirtschaftet und nicht erneut verlegt wird und sich eine ungestörte Sukzession entwickeln darf.

Anpassung an den Klimawandel: Der gegenwärtige und der letzte Sommer haben es für Jeden fühlbar gemacht: der Klimawandel ist Gegenwart, und er wird sich mit Sicherheit verschlimmern. Die Tage mit Hitzerekorden und Starkregen werden sich immer weiter vermehren. Deshalb ist es für alle Städte unabdingbar, sich dieser Entwicklung anzupassen. Das bedeutet vor allem, Luftschneisen, siehe oben und kühlende Plätze zu schaffen. Nichts kann das so gut wie Bäume und Wäldchen in der Innenstadt. Deshalb muss eine vorausschauende Stadtplanung vorhandene Bäume und Wäldchen in der Innenstadt unbedingt erhalten und weitere pflanzen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass der Klimaeffekt von alten Bäumen und Wäldern weit höher ist als der von Neupflanzungen, siehe oben. Unter diesem Gesichtspunkt ist die hier vorliegende Planung absolut kontraproduktiv, indem sie den Kühlungseffekt von 60 Bäumen plus den des zu entfernenden Unterholzes für die Innenstadt vernichtet und eine wichtige Luftschneise zustellt, siehe oben. Auch das wurde bisher in der Planung nicht berücksichtigt.

Mobilitätskonzept: Das Vorhaben passt auch nicht zu den Mobilitätszielen, die sich Flensburg im Mobilitätspakt als Teil des Klimapaktes Flensburg gesetzt hat, wie der Chef der „Aktiv-Bus“ Herr Hemkentokrax in „Flensborg Avis“ vom heutigen Tage (10. Sept. 2019) äußert.

Bekanntlich hat der sog. „Gestaltungsbeirat“ nur beratende Funktion; erkennbar ist allerdings, dass die Ergebnisse der Beirats vollkommen außer Acht gelassen werden. Der Beirat hatte u.a. empfohlen, das Parkhaus nicht zu bauen, sondern alternativ kleinere Parkhäuser an die Peripherie der Stadt zu setzen, zumal dieses den Autoverkehr im Innenstadtbereich mit allen negativen Folgen reduzieren würde. Vollkommen abwegig und nicht richtig durchdacht die Meinung, ein Parkhaus würde zum Umsteigen auf die Schiene ermutigen, was sehr schnell widerlegt werden könnte. Zum wirklichen Umsteigen bräuchte es andere Verkehrskonzepte. Unglaubwürdig zu sagen, es gäbe keine Standortalternativen zum genannten Parkhaus.

Resümee: In der von allen Fraktionen beschlossenen Beschlussvorlage RV-102/2017 zur Ratsversammlung am 20.07.2017 heißt es u.a. in der Begründung:

„Die Planung verfolgt das Ziel, den Standort der Hauptpost neu zu entwickeln und wesentliche städtebauliche Impulse für die Entwicklung des Bahnhofsumfeldes anzustoßen. Hierbei sollen Optionen einer Entwicklung von Gewerbe- oder Wohnnutzung mit kleinteiligem Einzelhandel geprüft werden. Weiterhin sollen Entwicklungsmöglichkeiten für die Ansiedlung von Beherbergungsbetrieben mit einer öffentlich zugänglichen Parkpalette geschaffen werden.“

Was ist aus der eigentlich nachvollziehbaren Beschlussvorlage geworden? Aus einer Parkpalette (Wikipedia: „Parkpaletten sind zwei- oder dreietagige Parkplätze, bei denen die Etagen in geringer Höhe (im Normalfall 2,00 Meter) übereinander ‚gestapelt‘ sind.“) wurde ein überdimensioniertes Parkhaus. Aus kleinteiliger Bebauung unter Einbeziehung des alten Postgebäudes, wurde ein zusätzliches monströses Hotel, beide Gebäude ohne Rücksichtnahme auf den anerkannten geschützten Wald.

Es fehlt in zahlreichen Punkten an der Nachhaltigkeit der Planung. Sie ist abzulehnen zugunsten einer völligen Neuplanung nach o.g. Beschlussvorlage RV-102/2017. Dabei sollten grundsätzliche Alternativen zum Autoverkehr zum Bahnhof in den Vordergrund gestellt werden im Einklang mit dem Masterplan Mobilität, sowie der Wald als Wald erhalten bleiben, zugunsten des Artenschutzes, der Artenvielfalt und zugunsten des Kleinklimas der Innenstadt, vor allem zugunsten des Wohlbefinden und der Gesundheit der Bürger und vorausschauender Anpassung an den sich verstärkenden Klimawandel.

Mit freundlichen Grüßen

Claus Kühne Flensburg, den 11.9.2019

Schleswiger Straße 34/36

24941 Flensburg

Stellungnahme #1009

Verfasser: Bürger
Eingereicht am:

Während weltweit Wälder brennen und Initiativen wie "Plant for the Planet" oder "Einheitsbuddeln" um jden Cent kämpfen, um neue Bäume pflanzen zu können, einer Zeit in der Kinder und Jugendliche nicht mehr in den Schlaf finden aus berechtigter Zukunftsanst, sollen in Flensburg 100 Jahre alte Bäume einem PARKHAUS!! weichen?? Das ist unverantwortlich. Trump wäre stolz auf diese Stadt.

Meike Jäger

Stellungnahme #1007

Verfasser: Bürger
Eingereicht am:

Mit großer Zustimmung zur Stellungnahme #1002:

Erhaltung von Bäumbeständen und Artenvielfalt bedeutet

  • unbezahlbare Lebensqualität
  • Klimaregulierung
  • Respekt und Wertschätzung

 Parkplätze und ein Hotelneubau auf einer vorhandenen Waldfläche genau das Gegenteil:

  • Zerstörung von Lebensraum
  • Förderung von klimaschädlichen Mobilitätskonzepten
  • Versiegelung von Boden  

Worum geht es hier? Um Geld? Oder eine lebenswerte Stadt? 

Stellungnahme #1005

Verfasser: Bürger
Eingereicht am:

Moin,

Dieses Waldstück ist ein Biotop, dort haben zahlreiche Tiere ein zuhause gefunden, von den Fledermausarten ganz abgesehen die es immer schwerer haben ein zuhause zu finden. In der heutigen zeit wo jeder einzelne über Klima und Umwelt nachdenkt hat Flensburg die idee ein Hotel zu bauen, wo Wald für weichen muss. Ich bin für den Wald, für mehr Natur und nicht für ein Hotel was man nicht braucht.

LG

Stellungnahme #1003

Verfasser: Bürger
Eingereicht am:

Was im Bebauungsplan nicht ersichtlich wird: Für den Bau des Hotels plus Parkhaus verschwindet eine weitere grüne Oase von Flensburgs Bildfläche. Es müssen über 70 Bäume gefällt werden, viele Tierarten sind dort bereits heimisch geworden. Flensburg hat genügend Hotels, weitere sind im Entstehen. In Zeiten, in denen das Thema Klimawandel mehr als präsent ist und die Bedeutung von Waldflächen jedem Grundschulkind bewusst ist, sollte eine solche Planung nach meinem Empfinden durch einen Bürgerentscheid abgesegnet werden müssen!!!

Stellungnahme #1002

Verfasser: Bürger
Eingereicht am:
Mitgezeichnet von: 1

Flensburg, den 22.8.2019

Betrifft: Einwendung gegen die Neufassung des B-Plans 303

Sehr geehrte Damen und Herren,

gegen die geplante Neufassung des B-Planes 303 und das in diesem Zusammenhang geplante Bauvorhaben eines Hotels und Parkhauses in dem Grünzug südlich und südwestlich der Hauptpost sowie gegen die dafür geplante Umwidmung des hier vorhandenen Wäldchens erhebe ich hiermit Einspruch.

Begründung:

1) Waldumwandlung: Zu Recht weist die Begründung für den Bebauungsplan 303 (im Folgenden kurz Begr. genannt) darauf hin, dass „die Erhaltung von Waldflächen grundsätzlich ein gewichtiges öffentliches Interesse darstellt. Derjenige, der eine Waldumwandlung beabsichtigt, muss daher ein besonderes, über das allgemeine wirtschaftliche Interesse hinausgehendes Interesse an der Waldumwandlung vorweisen können. Die Träger öffentlicher Vorhaben haben bei Planungen und Maßnahmen, die eine Inanspruchnahme von Waldflächen vorsehen oder die in ihren Auswirkungen Waldflächen betreffen können, die Funktionen des Waldes nach § 1 Abs. 2 Nr. 1 LWaldG angemessen zu berücksichtigen; sie sollen Wald nur in Anspruch nehmen, soweit der Planungszweck nicht auf anderen Flächen verwirklicht werden kann.“

Dass der Planungszweck, soweit dargestellt, nicht auf anderen Flächen verwirklicht werden kann, ist aber nicht hinreichend begründet. Die Begr. erklärt, dass ein Parkhaus im Bahnhofsumfeld dringend gebraucht würde, um die Parkplatz-Konkurrenz zwischen Anwohnern, Bahnreisenden und Pendlern, die im Bahnhofsumfeld ihren Arbeitsplatz haben, zu entschärfen; sie behauptet, andere Flächen seinen entweder im Privatbesitz oder schon anderweitig verplant.

  1. A) So sei das Areal des ehemaligen Hallenbades für die Feuerwehr verplant, die das ganze Gelände benötige. Es erscheint aber angesichts der Größe des Grundstücks unglaubwürdig, dass hier nicht auch ein – wenn auch kleineres – öffentliches Parkhaus Platz finden würde. Mehrere kleinere Parkmöglichkeiten hätten Vorteile gegenüber einem riesigen!
  2. B) Ebenso müsste sich auf dem riesigen ehemaligen Gelände des VfB Nordmark, das für Wohnungsbau vorgesehen ist, durchaus auch Platz für ein kleineres Parkhaus finden lassen – dass dies in den bisherigen Planungen nicht vorgesehen ist, kann nicht begründen, dass diese Planungen nicht überarbeitet werden können!
  3. C) Flächen im Privatbesitz könnten durchaus in die Planung einbezogen werden. Auch das hier in Frage stehende Gelände ist im Privatbesitz! Hat die Stadt jemals sondiert, ob nicht der Eigentümer der Parkfläche südlich des Bahnhofs, an der Nordseite der Einmündung der Backensmühle in die Schleswiger Straße, daran interessiert wäre, seine Parkfläche aufzuwerten zu einer Parkpalette mit 120 Stellplätzen, was ohne große Probleme machbar wäre? Die Anbindung an den Bahnhof könnte leicht über eine Fußgänger-Treppe und/oder einen Aufzug von der Brücke der Schleswiger Straße über die Bahngleise hinunter auf den Bahnsteig 1/2 erfolgen!
  4. D) Eine weitere Alternative ist überhaupt nicht in die Abwägung einbezogen worden: Auch unter der Rasenfläche des Carlisle-Parks könnte eine öffentliche Tiefgarage gebaut werden. Dort gibt es sehr viel Platz, weit mehr als gebraucht, und es wäre nicht schwer, die Rasenfläche anschließend wieder her zu stellen. Beachtet werden müsste die Schonung des Baumbewuchses am Rand. Der Baugrund dort ist aufgeschütteter Teichboden, aber wenn eine Tiefgarage unter dem geplanten Hotel möglich ist, dann muss sie auch unter dem Rasen daneben möglich sein. In Berlin wird jeder Bau im Morast durchgeführt. Gewiss ist das eine teurere Lösung, aber im Gesetz steht nicht, dass ein Wald umgewidmet werden darf, wenn andere Lösungen teurer wären, sondern dass „Wald nur in Anspruch genommen werden soll, soweit der Planungszweck nicht auf anderen Flächen verwirklicht werden kann.“
  5. E) Noch viel wichtiger: Alternativen zum Autoverkehr zum Bahnhof wurden offensichtlich gar nicht in die Abwägung einbezogen! Wenn die vorhandenen Parkmöglichkeiten bewirtschaftet würden, würde das die Pendler sofort dazu veranlassen, ihre Fahrzeuge an kostengüstigeren Stellen abzustellen, z. B. auf der Exe. Ein möglichst kostenloser Shuttle-Verkehr von dort zum Bahnhof und in die Innenstadt (wie er an den Advents-Samstagen schon besteht) würde den Nachteil für die Pendler ausgleichen. Ein solcher würde auch den Bahnfahrern ermöglichen, ihren PKW gratis auf der Exe zu parken. Beides würde die Parkplatz-Situation am Bahnhof dramatisch entlasten und den Mobilitätszielen der Stadt, die sie im „Masterplan Mobilität“ dargestellt hat, erheblich näher führen. Das geplante Parkhaus tut dies nicht, im Gegenteil, es zementiert für Jahrzehnte einen zunehmenden Autoverkehr in die Innenstadt (die Begr. nennt allein für den Hotelbetrieb 400 zusätzliche PKW/24 Std., das Parkhaus würde noch erheblich mehr Verkehr anziehen). – Weitere Möglichkeiten wären ein Ausbau des ÖPNV zum Bahnhof mit enger Taktung unter Rücksichtnahme auf den Fahrplan der Bahn, auch spät abends; eine Carsharing-Station am Bahnhof; große Fahrrad-Stellplätze am Bahnhof, auch überdacht, so wie die Stadt Göttingen das vormacht (dort gibt es am Bahnhof 4 000 Fahrrad-Stellplätze, die sehr gut belegt sind!), die besonders für Pendler interessant wären, einschließlich eines Ausbaus der Leih-Fahrräder.

Insgesamt muss man also feststellen, dass Alternativen zu dem geplanten Parkhaus an dieser Stelle nicht hinreichend geprüft sind. Dann darf aber die Erlaubnis zur Waldumwandlung nicht erteilt werden!!

  • 2) Artenschutz 1: Die geplante Veränderung würde einen Rechtsbruch bedeuten, weil sie §44 BNatSchG sowie das Bonner Übereinkommen zur Erhaltung der wandernden Tierarten von 1979 verletzt. In dem Wäldchen und dem südlich angrenzenden Grüngebiet leben laut Gutachten 4 streng geschützte Fledermausarten, 2 davon (die Rauhhautfledermaus und die Breitflügelfledermaus) gehören zu den in Schleswig-Holstein gefährdeten Arten. Sie haben hier ihre Wochenstuben. Das ganze Gebiet stellt ein schützenswertes Habitat dar und ist zentraler Teil eines Biotop-Verbundes, der ohne diesen Teil zerbricht. §44 BNatSchG lautet in Abs. 1: „ Es ist verboten, ... - (2)wild lebende Tiere der streng geschützten Arten und der europäischen Vogelarten während der Fortpflanzungs-, Aufzucht-, Mauser-, Überwinterungs- und Wanderungszeiten erheblich zu stören; eine erhebliche Störung liegt vor, wenn sich durch die Störung der Erhaltungszustand der lokalen Population einer Art verschlechtert“. Das wird aber mit den geplanten Baumaßnahmen eintreten. Im Gutachten zum Artenschutz wird zu Recht darauf hingewiesen, dass Lichtemissionen in dieses Habitat unbedingt vermieden werden müssen, weil sonst ein „Verbotstatbestand“ (nach obigem §) eintritt. Die Pläne nehmen darauf aber nur völlig unzureichend Rücksicht. Sie ignorieren völlig, dass aus den Fenstern des Hotels in 5 Stockwerken auf 87 Meter breiter Front Lichtfluten in das Habitat in Kronenhöhe einwirken werden. Die Maßnahmen zur Vermeidung von Lichtemissionen beziehen sich lediglich auf die Außenbeleuchtung am Stellplatz, nicht auf die Fenster. Selbst wenn das Thema noch in einen städtebaulichen Vertrag mit den Investoren eingefügt werden sollte (was bisher nach den vorgelegten Unterlagen nicht der Fall ist), so wäre das ein völlig unzureichender Schutz: Man kann einer gesetzlichen Schutzgarantie nicht durch einen privaten Vertrag genügen, der beim ersten Verkauf des Hotels möglicherweise ungültig wird. Vor allem aber ist es der Öffentlichkeit so nicht möglich, VOR der Schaffung vollendeter Tatsachen zu prüfen, ob die vorgesehenen Schutzmaßnahmen tatsächlich geeignet sind, die Lichtemissionen hinreichend zu blockieren. Natürlich wird der Betreiber eines Hotels darauf achten, dass die Hotelgäste gut aus den Fenstern ins Freie blicken können.

Im Endeffekt wird es durch die Errichtung des Hotels also so starke Lichtemissionen in das – ohnehin stark verkleinerte - Fledermaus-Habitat geben, dass diese Dunkelheit-liebenden Tiere vertrieben werden – ein Verstoß gegen §44 BNatSchG.

Zu den dadurch vertriebenen Tieren gehört auch die hier nachgewiesene Rauhhautfledermaus, die als wandernde Art unter dem Schutz des Bonner Übereinkommens zur Erhaltung der wandernden Tierarten von 1979 steht. Auch dieses Abkommen wird durch eine Realisierung des Vorhabens verletzt.

In ähnlicher Weise ist auch der Lärmschutz ohne Rücksicht auf die Fledermäuse konzipiert. Auf Seite 59 der Begr. steht: „Dagegen wird der Immissionsrichtwert NACHT der TA Lärm [1] an der Nord- und teilweise Westfassade des Hotelneubaus weiterhin überschritten. Technische Maßnahmen am Hotelneubau sind daher vorzusehen. An der Nordseite und an der Westseite des Hotels dürfen keine zum Belüften notwendigen Fenster von schutzbedürftigen Räumen vorgesehen werden. Dort ist eine automatische Klimatisierung zu gewährleisten.“ Die Hotelgäste werden geschützt, nicht die nachtaktiven Fledermäuse. Fledermäuse orientieren sich und jagen durch Ultraschall-Echolotbilder. Wenn in ihrem Habitat Lärmverschmutzung im Ultraschallbereich auftritt, könnte das durchaus eine schwerwiegende Störung auslösen. Im Ultraschallbereich ist aber überhaupt nicht geprüft worden, ob Lärmemissionen zu erwarten sind, geschweige denn Maßnahmen festgesetzt worden, um solche zu minimieren.

  • 3) Luftqualität der Innenstadt: Der ganze Grünzug stellt für die Innenstadt eine wichtige „Grüne Lunge“ dar, eine Kaltluftquelle im Sommer, eine Quelle von Sauerstoff, eine CO2-Senke und einen Filter für Feinstaub. Werden wie vorgesehen 60 Bäume daraus gefällt, so verschlechtert sich diese Funktion für die Innenstadt, deren Luftqualität merklich sinkt. Ausgleichspflanzungen am Stadtrand können dies nicht ersetzen, sie brauchen Jahrzehnte, bis sie nennenswerte Bedeutung für die Luft entwickeln und selbst dann sind sie zu weit weg von der Innenstadt, um für diese etwas auszurichten. Insofern stimmt es nicht, wenn die Begr. behauptet (S.52), „Die Planung hat keine erheblichen negativen Wirkungen auf das Schutzgut Luft.“ Und die vorgesehenen Ausgleichsmaßnahmen sind nicht hinreichend, dem abzuhelfen.

  • 4) Anpassung an den Klimawandel: Der gegenwärtige und der letzte Sommer haben es für Jeden fühlbar gemacht: der Klimawandel ist Gegenwart, und er wird sich mit Sicherheit verschlimmern. Die Tage mit Hitzerekorden werden sich immer weiter vermehren. Deshalb ist es für alle Städte unabdingbar, sich dieser Entwicklung anzupassen (so z. B. der Klimaexperte der „Heute“-Sendung am 25.7.2019). Das bedeutet vor allem, Luftschneisen und kühlende Plätze zu schaffen. Nichts kann das so gut wie Bäume und Wäldchen in der Innenstadt. Deshalb muss eine vorausschauende Stadtplanung vorhandene Bäume und Wäldchen in der Innenstadt unbedingt erhalten und weitere pflanzen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass der Klimaeffekt von alten Bäumen und Wäldern weit höher ist als der von Neupflanzungen. Unter diesem Gesichtspunkt ist die hier vorliegende Planung absolut kontraproduktiv, indem sie den Kühlungseffekt von 60 Bäumen plus den des zu entfernenden Unterholzes für die Innenstadt vernichtet und eine wichtige Luftschneise zustellt. Das wurde bisher in der Planung nicht berücksichtigt.

5) Artenschutz 2: Das Wäldchen mit seinen 140 Jahre alten Bäumen stellt ein biologisches Kleinod dar und ein Refugium der Artenvielfalt. Gerade weil es „verwildert“ ist und seit Jahrzehnten kaum betreten, konnte sich hier eine Vielfalt von Lebensformen und eine Lebensgemeinschaft entwickeln, die sonst in einer Stadt sehr selten sind. Und gerade weil in dem Wäldchen Bäume mit Beschädigungen, toten Ästen und Höhlen sind, bietet sich hier eine Vielfalt von Mikrohabitaten.*) Auch wenn das Wäldchen teilweise erhalten werden soll, so wird es doch erheblich verkleinert, was die Regenerationsfähigkeit des Biotops erheblich stört. Der Teil, der umgewandelt werden soll, muss dafür den Waldcharakter verlieren, der Kronenschluss wird geöffnet werden, die ökologisch so wertvollen beschädigten Bäume sollen entnommen und das Totholz entfernt werden ebenso wie das Unterholz. Die nachwachsenden Bäumchen werden auf Dauer gehindert. Das alles wird dazu führen, dass das ganze Gebiet enorm an Artenvielfalt verliert, und dass sich ein völlig anderes Biotop entwickelt: schattenliebende Pflanzen und Tiere werden verschwinden, lichtliebende (die auch anderswo häufig sind) werden bessere Bedingungen bekommen. Das heißt aber auch, dass dieses Areal Konkurrenzgewächse für den geschützten artenreichen Steilhang ausbildet und als

Regenerationsfläche für dessen Gewächse ausfällt –anders als in der Begr. behauptet. Die vertikale Ordnung, die einen Wald auszeichnet und Grundlage seiner Artenvielfalt und Regenerationsfähigkeit ist, wird zerstört. Die wertvollen Mikrohabitate des Totholzes verschwinden. Das alles steht in krassem Gegensatz zu den Auskünften, die die Verwaltung den zweifelnden Ratsmitgliedern gegeben hat, dass nämlich sich praktisch nichts an dem Wald ändern würde außer dem Namen! Dadurch beruht der Auslegungsbeschluss des Rates auf falschen Voraussetzungen. Die Einschätzung der Unteren Forstbehörde gibt mir recht: die Begr. zitiert sie unter 7.2.5.1 „Die Waldfläche wird von der Unteren Forstbehörde als artenreich und von hoher Wertigkeit eingestuft.“ und weiter unten unter 7.2.5.2 „Die Waldumwandlung und Schaffung des Waldabstandes hat eine deutliche Abwertung des Waldes zur Folge.“

Außerhalb der Städte ist die Artenvielfalt durch die intensive Landwirtschaft und den Landschaftsverbrauch stark rückläufig – so stark, dass im letzten Bericht der UNO zur Artenvielfalt vom Aussterben der Hälfte der Arten dieser Erde gesprochen wird, was die Menschheit ebenso sehr bedroht wie der Klimawandel. In dieser Situation

*) „Alte Bäume mit Höhlen sind ein unverzichtbarer Teil des gesunden Waldes - sie spielen im Lebenszyklus zahlreicher Tiere, Insekten, Vögel und Pflanzen eine extrem wichtige Rolle. Vögel ziehen ihre Jungen in den Höhlen alter Baumstämme auf. Im Mulm (das mehlartig zersetzte Holz im Inneren der Höhlen) entwickeln sich Insektenlarven, auch und gerade viele mittlerweile seltene Käferlarven, was wiederum für Vögel und andere Insektenfresser eine gefüllte Vorratskammer bedeutet.

Ein alter Baum bietet Tieren und anderen Lebewesen eine ganze Reihe von so genannten Habitatstrukturen und Nahrungsquellen. Deshalb wird er auch als Habitatbaum bezeichnet. Bäume werden aber in unseren Wäldern nur selten alt. Bevor sie in das Alter kommen, in dem sie Altholz und Höhlen aufweisen, schlägt man die meisten aus wirtschaftlichen Gründen ein. Die wenigen Exemplare, die als Biotopbäume stehen bleiben, reichen in den sogenannten Wirtschaftswäldern auf Dauer nicht aus, um die Artenvielfalt zu sichern.“ (zitiert aus https://www.change.org/p/wälder-sind-keine-holzfabriken)

ist es zwingend notwendig, dass die Städte sehr pflegsam mit den Nischen für die Artenvielfalt umgehen, die sich in ihnen erhalten haben. Da passt die Zerstörung dieses Habitatwäldchens überhaupt nicht in die Zeit.

Die vorgesehenen Waldausgleichs-Maßnahmen können den Verlust an Artenvielfalt nicht kompensieren: Bis sich in einem neu zu pflanzenden Wald eine nur annähernd vergleichbare Artenvielfalt entwickelt hat, gehen viele Jahrzehnte ins Land, selbst unter der günstigsten Voraussetzung, dass dieser neue Wald nicht bewirtschaftet und nicht erneut verlegt wird und sich eine ungestörte Succession entwickeln darf.

  • 6) Mobilitätskonzept: Das Vorhaben passt auch nicht zu den Mobilitätszielen, die sich Flensburg im Mobilitätspakt als Teil des Klimapaktes Flensburg gesetzt hat. Der Bau eines großen Parkhauses wird niemand dazu bewegen, vom Auto auf die Bahn umzusteigen, solange daneben Gratis-Parkplätze sind. Werden diese (wie geplant) entfernt, so wird es durch das Parkhaus erst recht teurer, die Bahn zu nehmen, was eher davon abschrecken wird. Wer stellt sein Auto in ein Parkhaus und zahlt teure Parkgebühr neben dem Fahrpreis, wenn er für dasselbe Geld schneller und leichter mit dem Auto bis Hamburg fahren könnte! Umgekehrt werden auch die Pendler, die heute ihren PKW um den Carlisle-Park herum parken, nicht in das Parkhaus gehen, weil die tägliche Parkgebühr ihren Verdienst deutlich schmälern würde. Statt mit dem Auto mit der Bahn nach Flensburg zur Arbeit zu fahren, ist leider nur wenigen möglich angesichts der Häufigkeit der Züge und der wenig flächendeckenden Zugänglichkeit der Bahn. Also wird das Parkhaus nicht das Bahnfahren fördern, sondern nur zusätzlichen PKW-Verkehr in die Innenstadt bringen. Das fixiert ein Mobilitätskonzept für die nächsten Jahrzehnte, das Flensburg eigentlich verlassen möchte. Wesentlich besser wären andere Ansätze (s.o.): z. B. ein kostenloser Shuttledienst von den kostenlosen Parkplätzen auf der Exe zum Bahnhof und in die Innenstadt, ein großer Fahrrad-Parkplatz am Bahnhof, wie es z.B. die Stadt Göttingen mit großem Erfolg vormacht (dort gibt es 4000 Fahrrad-Parkplätze am Bahnhof, die sehr gut gefüllt sind!), eine auf den Bahn-Fahrplan abgestimmte enge Taktung des Busverkehrs zum und vom Bahnhof zur Innenstadt, eine Carsharing-Station am Bahnhof, eine Verbesserung der Pünklichkeit und Verlässlichkeit der Bahn (gut, darauf hat die Stadt keinen Einfluss), und als Perspektive eine S-Bahn Flensburg, wie sie von den Grünen vor einem Jahr als „Förde-S-Bahn“ vorgestellt wurde. Dieses Konzept wäre wirklich in der Lage, den Verkehr zum/vom Bahnhof und den Verkehr mit dem Umland auf die Schiene zu verlagern. Das geplante Parkhaus kann das nicht und ist überflüssig. Dafür einen wichtigen Habitatwald umzuwidmen und teilweise zu zerstören erscheint kontraproduktiv.

  • 5) Fehlendes hydrogeologisches Gutachten über den Hang: In den Unterlagen ist nirgends von einem hydrogeologischen Gutachten die Rede, in dem die Folgen des Bauvorhabens auf den Wasserhaushalt und die Stabilität des Hanges untersucht worden wären. Die beiden geologischen Gutachten, die existieren, beschäftigen sich praktisch nur mit dem Baugrund und dem Trockenhalten der Baugrube. Die wenigen Sätze, die in “Geotechnik 2“ über das Wasser im Hang stehen (S.9/10) sowie über die erforderlichen Verbauarten und Rückversteifungen (S. 19), beruhen nicht auf Untersuchungen am Hang – es wurden ausschließlich Bohrungen im Baugrund durchgeführt, siehe Karte zur Lage der Aufschlusspunkte unter „Vorbemerkung“ – und betrachten den Hang unter dem Interesse des Trockenhaltens der Baugrube. Es besteht aber angesichts der bekannten Zusammensetzung der Flensburger Moränenhänge und der bekannten wasserführenden Schichten im Hang (in dem frühere Karten einen Bach verzeichnen) die begründete Sorge, dass eine 2 Etagen tiefe Baugrube am Fuß des Hanges den Hang entwässern wird, so dass die eigentlich zur Erhaltung festgesetzten Bäume vertrocknen werden und der Hang ins Rutschen kommt. Auch ich als Nicht-Nachbar wäre davon betroffen durch die Zerstörung des Waldes.

Deshalb ist das Fehlen eines solchen hydrogeologischen Gutachtens über den Hang unverzeihlich und muss schleunigst behoben werden, seine Ergebnisse müssen vor dem Ende der Auslegungsfrist und einer Entscheidung über das Bauvorhaben den Bürgern offengelegt werden. Die jüngste Erfahrung mit der Zerstörung der Friesischen Straße durch einen heftigen Regenguss belegt erneut, dass die Flensburger Hänge schwierige geologische Problemzonen sind, die nicht mit Vermutungen und oberflächlichen Behauptungen hinreichend beschrieben und sicher eingeschätzt werden können. Tatsächlich gab es allein in den letzten 7 Jahren zahlreiche Hangrutsche an den Flensburger Moränenhängen (4x am Ostseebad, einer in Harrislee bei Fleggaard, weitere am Volkspark und in Kielseng, am Twedter Strandweg ...). In mehreren Fällen hatte es vorher geheißen, der Hang sei sicher. Alle wurden durch Starkregen-Ereignisse ausgelöst. Aber auch hier ist mit dem zunehmenden Klimawandel mit einer erheblichen Zunahme der Häufigkeit und Stärke der Starkregenereignisse zu rechnen. Deshalb ist es unverzichtbar: Was mit dem Wasserhaushalt in diesem Hang geschieht, wenn eine 5 Meter tiefe Baugrube an seinem Fuß angelegt und durch eine Bohrpfahlwand abgestützt sowie das Stauwasser drainiert wird, das muss gezielt untersucht und mit einer wissenschaftlich begründeten Prognose belegt werden, bei der sowohl lange Hitze- und Trockenperioden als auch zunehmende Starkregenereignisse einberechnet werden müssen.

  • 7) Fehlender Schutzabstand um die Baumkronen: Die Baugrube von 5 Metern Tiefe wird in unmittelbarer Nähe der alten Linden an der Valentiner Alle, die eigentlich zur Erhaltung festgesetzt werden sollen, gegraben werden. Es ist schlechterdings nicht vorstellbar, dass diese Bäume das überleben werden, selbst wenn die Wurzeln geschont würden: der o. g. Entwässerungseffekt der Baugrube wird ihnen buchstäblich das Wasser abgraben. Damit werden diese Bäume, die sehr wesentlich zur Stabilität des Steilhanges und zur Luftqualität beitragen und Habitatbäume sind, verloren gehen. Normalerweise wird in der Stadtplanung ein Schutzabstand von 1,5 Metern um die Baumkronen (!) eingehalten. Der wird hier massiv unterschritten.

  • 8) Allee-Charakter der Bahnhofstraße: Die Pläne sehen eine Neupflanzung von Bäumen entlang der Bahnhofstraße vor, um den Allee-Charakter der Bahnhofstraße zu erhalten und den Verlust der großen Pappeln hier teilweise zu kompensieren. Diese Planung ist nach dem Gutachten des Gestaltungsbeirats, das der Stadt vorliegt, aber unrealistisch: „Allerdings ist im Lageplan erkennbar, dass die in den Renderings dargestellte neue Baumreihe aufgrund der Lage des Baukörpers gar keinen Platz findet. Hier müsste der Baukörper zurückrücken, um Platz für eine Baumreihe zu ermöglichen“ . In der Begründung des Bebauungsplans ist eine Querschnitt-Zeichnung enthalten, die zwischen Hotel-Körper und Bahnhofstraße eine unterirdische Erweiterung des Baukörpers zeigt, die mehrere Meter weit auf die Bahnhofstraße zu läuft. Damit bleibt tatsächlich kein Platz für eine Baumreihe. Auch die Baumroste und Wurzelbrücken, die in der Begr. verlangt werden, ersetzen nicht einen fehlenden Platz in die Tiefe und zur Seite. Und eine Wurzelentwicklung fast ausschließlich unter die versiegelte Straßenfläche ist weder wünschenswert noch hinreichend für die Baumstabilität. Der Vorschlag des Gestaltungsbeirats, den Baukörper weiter zurück Richtung Hang zu setzen, verbietet sich aber wegen der notwendigen Sicherung des Artenreichen Steilhanges. Damit ist dieser Teil der Planung irreführend und nicht realisierbar. Es stellt sich darüber hinaus die Frage, ob sie aus Feuerschutzgründen denn machbar wäre. Im Endeffekt geht dadurch bei einer Realisierung des Bauvorhabens der Allee-Charakter der Bahnhofstraße verloren – städtebaulich ein herber Verlust! Ohnehin fehlt in der Planung jede Berücksichtigung der Einwände des Gestaltungsbeirats.

Zusammenfassend fehlt es in zahlreichen Punkten an der Nachhaltigkeit der Planung. Sie ist abzulehnen zugunsten einer völligen Neuplanung. Dabei sollten grundsätzliche Alternativen zum Autoverkehr zum Bahnhof in den Vordergrund gestellt werden im Einklang mit dem Masterplan Mobilität, sowie der Wald als Wald erhalten werden, zugunsten des Artenschutzes, der Artenvielfalt und zugunsten des Kleinklimas der Innenstadt, besonders auch in vorausschauender Anpassung an den sich verstärkenden Klimawandel.

Dr. med. Helmreich Eberlein

Ahornweg 20

24941 Flensburg

email: h-eberlein@posteo.de

Tel: 0461-582523

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