Planungs­dokumente: 3. Änderung F-Plan (B-107) 1. Öffentliche Auslegung

Begründung

1. Planungsgrundlagen

1.1. Planungsanlass und Planungsziele

In der Stadt Bad Oldesloe besteht nach wie vor ein hoher Wohnraumbedarf. Es ist beabsichtigt, ein neues Siedlungsgebiet mit ca. 200 Wohnungen in Einzel-, Doppel- und Reihenhäusern sowie Geschosswohnungen am südlichen Stadtrand zu entwickeln. Damit soll eine Planung wieder aufgegriffen werden, die vor rund 20 Jahren aufgrund einer bestehenden Altlastenproblematik nicht weiter verfolgt werden konnte. Inzwischen gibt es aufgrund veränderter Eigentumsverhältnisse die Möglichkeit einer umfassenden Sanierung und damit einer Umsetzung der Planung. Die 3. Änderung des Flächennutzungsplanes erfolgt mit der Aufstellung des Bebauungsplanes Nr. 107 "Anne-Frank-Straße", Claudiusstraße, Pölitzer Weg Nr. 47 bis 65d (unger. Nr.), Rudolf-Kinau-Weg 11 + 13 sowie die Flächen zwischen den bezeichneten Straßen und der Deutschen Bahn“ im sogenannten Parallelverfahren nach § 8 (3) Baugesetzbuch (BauGB).

Das Plangebiet liegt innenstadtnah und wird durch angrenzende Bebauung weitgehend eingefasst. Neben der Altlastenproblematik ist die Lärmbelastung durch die angrenzende Bahnlinie Hamburg – Lübeck und durch die Landesstraße L 90 zu beachten. Der Abstand zur Bahn orientiert sich an der Abgrenzung der Lärmbelastung. Zudem haben sich zum Teil hochwertige Biotopstrukturen mit Schutzstatus nach § 30 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) gebildet, die für die Sanierung kontaminierter Böden und den Bedarf an Retentionsflächen für anfallende Oberflächenwasser überplant werden.

Die bebauten Grundstücke westlich der Kampstraße werden in die Änderung des Flächennutzungsplanes einbezogen und sollen künftig als gemischte Baufläche dargestellt werden. Die Arbeiterwohlfahrt betreibt dort eine Asylbewerberunterkunft. Die Firma SOEX hat ihren Betriebsstandort verlagert, das dortige Gebäude steht zurzeit leer. Eine neue gewerbliche Nutzung muss in Bezug auf die Störwirkung Rücksicht auf die gegenüberliegende Wohnbebauung an der Kampstraße nehmen.

Bereits im März 2011 erfolgte eine frühzeitige Abstimmung mit den entsprechenden Fachbehörden im Rahmen einer Beteiligung nach § 4 (1) BauGB, insbesondere zur Abgleichung der Erfordernisse hinsichtlich des Untersuchungsrahmens zum Umweltbericht. Seitens der Fachbehörden wurden Anregungen zur Natur und Landschaftspflege, zu den bestehenden Altlasten und den vorhandenen Immissionen vorgebracht. Aufgrund der grundlegenden Änderungen im Planentwurf und des langen Planungsverfahrens erfolgte eine erneute frühzeitige Abstimmung mit den entsprechenden Fachbehörden im Rahmen einer Beteiligung nach § 4 (1) BauGB. Die in den folgenden Erläuterungen genannten Betrachtungen basieren auf den in den vorangegangenen Beteiligungen eingegangenen Anregungen zu den durch die Planung zu erwartenden Auswirkungen auf das Gebiet und die Umgebung und den zwischenzeitlich erarbeiteten Gutachten. Die Anregungen und Hinweise aus der frühzeitigen Beteiligung sind in die Planunterlagen eingearbeitet worden.

Die Behörden und sonstigen Träger öffentlicher Belange wurden gem. § 4 (1) BauGB im September 2015 erneut zur Abgabe einer Stellungnahme aufgefordert. Die Anregungen der Träger öffentlicher Belange wurden in die Ausarbeitung der Entwurfsfassung eingestellt.

1.2. Übergeordnete Planungsvorgaben

Nach dem Landesentwicklungsplan (2010) wird Bad Oldesloe als Mittelzentrum im Ordnungsraum von Hamburg und Lübeck dargestellt. Die Siedlungsentwicklung in den Ordnungsräumen ist vorrangig entlang von Siedlungsachsen auszurichten, wobei Bad Oldesloe einen äußeren Siedlungsachsenschwerpunkt bildet. Damit hat Bad Oldesloe eine besondere Funktion für die Deckung des regionalen Wohnungsbedarfs und soll eine Entwicklung über den örtlichen Bedarf hinaus ermöglichen.

Die beiden Bundesautobahnen A 1 und A 21 sind im Landesentwicklungsplan als Landesentwicklungsachsen gekennzeichnet. Bad Oldesloe liegt in einem Entwicklungsraum für Tourismus und Erholung. Das Travetal und die Besteniederung sind als Biotopverbundachsen Vorbehaltsräume für Natur und Landschaft. Das Travetal ist als FFH-Gebiet nachrichtlich dargestellt.

Der Regionalplan für den Planungsraum I von 1998 stellt Bad Oldesloe als Mittelzentrum in einem baulich zusammenhängenden Siedlungsgebiet mit einem umliegenden Siedlungsschwerpunkt am Ende der Siedlungsachse Hamburg – Bad Oldesloe dar.

Abb. 1: Ausschnitt aus dem Regionalplan

Das Landschaftsprogramm (1999) weist ergänzend zu den Biotopverbundachsen im Landesentwicklungsplan für den Planungsraum ein Wasserschongebiet und ein Geotop aus. Die Besteniederung zwischen Bad Oldesloe und Rümpel sowie die Barnitz werden als Gebiete dargestellt, die die Voraussetzung einer Unterschutzstellung in Form eines Naturschutzgebietes erfüllen.

Der Landschaftsrahmenplan (1998) konkretisiert die Abgrenzungen von Geotop, Wasserschongebiet und geplanten Naturschutzgebieten. Demnach liegt das Plangebiet mit Ausnahme des nördlichsten Zipfels im Wasserschongebiet und im Subglazialen Tal der Norderbeste. Der Raum südlich des Plangebietes (Besteniederung und Talraum der Barnitz) ist Gebiet mit besonderer ökologischer Funktion und Gebiet mit besonderer Eignung zum Aufbau eines Schutzgebiets- und Biotopverbundsystems. Teilräume sind geplantes Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiet sowie Gebiet mit besonderer Erholungseignung. Die bauliche Entwicklung von Bad Oldesloe wird in südliche Richtung begrenzt.

Abb. 2: Ausschnitt aus dem Landschaftsrahmenplan

Bezüglich der baulichen Nutzung und der Darstellung von Gemeinbedarfsflächen entspricht der Landschaftsplan dem Flächennutzungsplan. Das zentrale Plangebiet ist als Grünfläche mit der Zweckbestimmung natürliche Sukzession gekennzeichnet und mit einer Maßnahmenfläche überlagert. Ein größeres Kleingewässer im östlichen Plangebiet wird als gesetzlich geschütztes Biotop ausgewiesen. Südlich liegende Flächen des Plangebietes sind Eignungsflächen für die Neuwaldbildung. Die nunmehr geplante Entwicklung im Übergang zur Landschaft weicht von den Darstellungen des Landschaftsplanes ab. Die Anpassung der Aussagen im Land-schaftsplan erfolgt im Rahmen einer Fortschreibung des Landschaftsplanes.

Abb. 3: Ausschnitt aus dem Landschaftsplan

Der wirksame Flächennutzungsplan stellt für die vorhandene Bebauung zwischen Kampstraße und den Flächen der Deutschen Bahn Gewerbegebiet dar.

In Verlängerung der Kampstraße in südliche Richtung ist im Osten Wohnbaufläche ausgewiesen. Am Ende des Rudolf-Kinau-Weges liegt ein Spielplatz. Das nordwestliche Teilgebiet wird als Fläche für Sport- und Spielanlagen dargestellt. In Höhe der Sophie-Scholl-Straße liegt innerhalb der Sukzessionsfläche eine Entsorgungsfläche für die Regenwasserbeseitigung. Das übrige zentrale Plangebiet ist Grünfläche mit der Zweckbestimmung natürliche Sukzession, als gesetzlich geschütztes Biotop gekennzeichnet und mit einer Maßnahmenfläche überlagert. Die Altlasten und das Wasserschongebiet sind dargestellt. Südlich liegende Flächen sind als Wald oder als Eignungsflächen für die Neuwaldbildung dargestellt.

Abb. 4: Ausschnitt aus dem gültigen Flächennutzungsplan mit Darstellung des Änderungsbereiches